Die ersten Gefühle nach der Trennung – oder, kann ich das noch?

Jetzt ist es soweit: Ich habe vor ein paar Wochen einen tollen Mann kennengelernt. Vollblut-Papa, -Musiker, -Mensch…

Die ersten 2 Wochen liefen zu perfekt, der Absturz war eigentlich vorprogrammiert. Ich hatte mir vorgenommen, mich nicht zu verstellen, mein wahres Ich zu zeigen und einfach zu sagen, was ich fühle. Das hat für uns beide funktioniert. Ich war beeindruckt, von diesem gefühlvollen und starken Mann, der anpackt und weiß, was er will. Wir haben extrem viel Kontakt gehabt, wenn auch nur ein paar Mal in echt, face-to-face, doch bald zog er sich zurück. Ich dachte zunächst, dass es an seinen Umständen lag: Trennung, Auszug, viel emotionaler und körperlicher Stress, doch seit gestern weiß ich, dass aus uns nichts wird. Das ist frustrierend. Wir sind uns zu ähnlich, zu rechthaberisch, zu bestimmend, zu strikt mit uns selber und dem anderen. Schon bevor wir überhaupt probieren konnten, wie es ist, schöne Momente zusammen zu erleben, Momente, die ich aufgeschrieben habe, eine Liste angefertigt habe.

Gestern hat er die Karten auf den Tisch gelegt und mir ganz unmissverständlich mitgeteilt, dass er sich keine Beziehung zu mir vorstellen kann. Ich bin so dermaßen abgestürzt, dass ich mich selbst in Frage gestellt habe:

Kann ich nach 12 Jahren überhaupt noch „Daten“? Weiß ich noch wie das „game“ läuft? Oder habe ich meine Angewohnheiten, die schon zum Scheitern meiner Ehe geführt haben, einfach direkt übernommen, meine Art, jeden 2. Satz mit „, aber“ zu vervollständigen, ständig meine Meinung zu ändern, Dinge nicht so stehen lassen zu können und immer das letzte Wort haben zu müssen?

Wie kann ich von einem „fremden“ Menschen erwarten, zu verstehen, wie ich Sachen meine, die ich sage und schreibe?

Habe ich mir selber, durch meine Art, eine Chance genommen, einen tollen Mann an mich zu binden?

Will ich das überhaupt? Oder geht es mir ums Prinzip, dass ich „verloren“ habe?

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Alleinsein oder Allein gelassen fühlen?

Gestern, Sonntag, war für mich ein richtig blöder Tag! Vormittags waren mein Ex und ich mit den beiden Mädels bei einer Weihnachtsausstellung eines lokalen Bäckereifachbetriebes. Auf der Hinfahrt, gab es ein Gespräch, zwischen meinem Ex und mir, das dort wiedermal nicht hingehörte, weil es vor den Kinder stattfand. Es ging erst um unverfängliche, private Planungen seinerseits, wurde dann aber schnell wieder zu einem Gespräch über unsere Trennung. Der Konsens des ganzen Gesprächs war, dass mein Ex weiterhin felsenfest in seiner Opferrolle steckt und auch keinen Centimeter davon abrückt.

Ich sei schuld an allem und ich hätte unsere Beziehung kaputt gemacht. Ich hätte uns gar keine Möglichkeit gegeben, um unsere Ehe zu kämpfen.

Wow! Das hilft mir in meiner aktuellen Situation, alleine mit zwei kleinen Kindern echt nicht weiter!

Er versteht scheinbar nicht, dass es immer zwei Menschen in einer Beziehung gibt, die scheitert. Dass es beide sind, die für den Erhalt einer Beziehung kämpfen müssen. Und auch, dass sich sowohl Mutter, als auch Vater um ihre Kinder sorgen und kümmern müssen.

Meine Freundin hat mir gestern etwas sehr Weises gesagt:

„Er kennt ja seine „Schuld“ gar nicht. Und solange er jemandem die Schuld geben kann, muss er ja nichts machen und hat immer einen Ausrede, warum er sich unfair verhalten kann.“

Da ist was dran. Vielleicht sollte ich ihn nun mal mit seiner „Schuld“ konfrontieren. Bisher habe ich es für sinnvoll gehalten, ihm nichts vorzuwerfen. Aber scheinbar ruht er sich bei der Verarbeitung der Trennung auf seiner Lösung der Schuldfrage aus.

Gestern habe ich gemerkt, wie tief die Verletzung sitzt und dass er nichts verarbeitet hat. Ich bin emotional schon viel weiter. Ich weiß allerdings auch nicht so genau, was ich ihm sagen soll. Ist es überhaupt relevant, was er „falsch“ gemacht hat? Oder ist die Wahrheit einfach, dass wir nicht mehr „passend“ sind?

Auf jeden Fall habe ich gestern, wie oft am Wochenende, einen Durchhänger gehabt. Ich war latent angenervt von den Kindern, fühlte mich einsam und im Stich gelassen. Diese Gefühl habe ich öfter, gerade, wenn ich viel Zeit mit den Mädchen alleine verbringe und mich gelangweilt und dann schnell überfordert fühle.

Komischer Weise geht es mir schlagartig besser, sobald die Mädels im Bett sind und ich meine Ruhe habe.

Ich finde mich extrem ungerecht, weil die Kinder ja nichts für die Situation können, in der ich mich befinde. Ich werde schnell gereizt, laut und bestrafe schneller als sonst. Ja, ich finde, Kinder müssen auch merken, dass es irgendwann reicht, aber mein aktueller Zustand ist nicht gut.

Heute morgen haben ich bei der Praxis angerufen, in der ich bis Mai diesen Jahres in psychotherapeutischer Behandlung war – meine Therapeutin ging dann in Elternzeit – und habe um neue Termine bei ihr nach der Elternzeit gebeten. Das wäre zwar erst im Mai, aber immerhin habe ich dann eine faire Chance, die Trennung und das Scheitern unserer Ehe zu verarbeiten.

Die Reise zu mir selbst – oder – wie ich es schaffe, ohne Facebook auskomme

Seit gestern Abend habe ich es also wirklich getan: Ich habe mein Facebook Account deaktiviert. Ich bin seit 2006 Mitglied bei Facebook und habe aber in den letzten Monaten gemerkt, wie ich ein leichtes Suchtverhalten beim Umgang mit diesem sozialen Netzwerk an den Tag gelegt habe. Ich war ständig online, habe viel geteilt und kommuniziert. Allerdings empfand ich auch sehr häufig eine Leere, wenn ich so auf Facebook rumgesurft bin.

In meiner Findungsphase, in der ich herausfinden möchte, wer ich nach 12 Jahren fester Beziehung bin und was es mit mir gemacht hat, brauche ich etwas Ruhe. Facebook würde mich dabei nur ablenken und mich mit Dingen konfrontieren, die mich von der Reise zu mir selbst abhalten würden.

Ich möchte mich auf mich selber konzentrieren und mich wohl in meiner Seele fühlen. Den Weg zu meinem körperlichen Wohlgefühl habe ich schon zum großen Teil gemeistert, Dank des Kraftsports, der gesunden Ernährung und vorallem Dank der „Bodyimage-Movement“ Bewegung, die von der Australierin Taryn Brumfit gegründet wurde und insbesondere Frauen zu einem gesunden Körpergefühl verhelfen möchte. Durch Taryns kluge Ideen und Denkansätzen habe ich einen großen Schritt dazu gemacht, meinen Körper fit und gesund zu halten und ihn nicht als Schmuckstück, sondern als Fahrzeug zu sehen. Diese Idee hat mich überhaupt zum Sport gebracht und hilft mir, meinen Körper als das zu sehen, was er ist! Ein Wunderwerk der Natur, das 2 tolle Kinder erschaffen, zur Welt gebracht und monatelang mit Nahrung versorgt hat. Ein tolle Fahrzeug, dass mir ermöglicht, mich dorthin zu begeben, wo ich hin möchte, mir ermöglicht, schwere Dinge (wie meine beiden Kinder) zu tragen und Einkäufe zu schleppen.

Unter dem Hashtag #ihaveembraced, haben sich schon viele tausend Frauen, überall auf der Welt dieser Bewegung angeschlossen. Ich halte dies für besonders wichtig, weil ich hier 2 Mädchen heranwachsen sehe, die irgendwann mit der Modeindustrie, Magazinen, Musikvideos und „Germany’s Next Topmodel“ konfrontiert werden.

Meine Mama wusste es schon damals: Die Barbie symbolisiert ein komplett falsches Frauenbild. Recht hat sie. Hatte sie schon vor 30 Jahren!

Du tolle, schlaue Mama!

Wann sind wir bereit für die nächste Runde Liebe?

Die erste große Runde Liebe habe ich ja schon hinter mir: meine 12 jährige Beziehung mit meinem Ex-Mann, die längste, die, die mich und mein Leben am Meisten beeinflusst hat und mir 2 wunderschöne Töchter geschenkt hat. Die, in der ich aber auch zum Ende hin entdeckt habe, was ich auf keinen Fall möchte und was mir wichtig ist. Die Beziehung, die der perfekte Plan war, aber mein Herz nie so richtig gepackt hat. Die letzten 12 Jahre waren nicht alle schlecht, aber irgendwie war es nie so komplett der Knaller. Es war immer anstrengend, es war immer ok, aber nie umwerfend schön. Klar, der Heiratsantrag über den Wolken, dich Hochzeit auf dem Schloss mit Kutsche und vielen Gästen war schon toll, aber es war irgendwie das, was ich mir so hingeplant habe.

Ich tendiere dazu, Dinge – vermutlich aus Selbstschutz – mehr mit dem Kopf, als mit dem Herzen zu bewerten. Das hat glaube ich am Ende auch für das Scheitern des großen Plans gesorgt.

3 Monate nach der Trennung ziehe ich ein kleines Resumé und frage mich:

Habe ich de Trennung verarbeitet?

Hänge ich noch an meinem Ex-Mann?

Und vor allem:

Bin ich bereit für eine neue, zweite Liebe?

Habe ich die Trennung verarbeitet? – Ja, ich denke schon. Ich habe immer noch damit zu kämpfen, dass ich enttäuscht darüber bin, dass das Konstrukt Ehe für mich nicht funktioniert hat, dass die Beziehung nicht funktioniert hat. Manchmal bilde ich mir ein, dass ich versagt habe. Dass ich es nicht geschafft habe, eine Ehe aufrecht zu erhalten… Ich mache mir auch oft Vorwürfe, was ich den Kindern damit angetan habe und dass ich Ihnen jetzt nicht mehr die heile Welt Familie vorleben kann. Aber wer kann das schon?

Ich habe gelesen, dass rund 20% der Familien in Deutschland alleinerziehend sind. Das heißt, dass 20% aller Familien in Deutschland keine „perfekte“, von der Gesellschaft erwartete und genormte Familie vorweisen kann.

Hänge ich noch an meinem Ex-Mann? – Diese Frage kann ich ganz sicher mit NEIN beantworten. Das ist im Moment das Einzige, worüber ich mir absolut klar bin. Ich trauere viel hinterher, aber nicht ihm als Person. Das macht das Ganze wenigstens ein bisschen einfacher. Scheinbar habe ich in meinem „Entscheidungsjahr“ (so nenne ich das Jahr, in dem ich gemerkt habe, dass ich mich emotional entfernt habe und mich für die Trennung entschieden habe) schon emotional gut mit ihm abgeschlossen. Darüber brauche ich mir keine Sorgen machen.

Bin ich bereit für eine neue, zweite Liebe? – Ich glaube, theoretisch Ja, ABER:

Ich habe festgestellt, dass ich mein Glück in der letzten Zeit sehr stark in zwischenmenschlichen Beziehungen gesucht habe, all meine Anerkennung bei anderen Menschen, egal ob im realen Leben oder in sozialen Medien, wie Facebook. Ich habe im Laufe der letzten 3 Monate oft gehört, ich solle erstmal versuchen alleine zu bleiben, um mich mal wieder auf mich selber zu besinnen, zu verarbeiten und mit mir selber und meinem tiefsten Ich  klar zukommen. Bis vor Kurzem hat mich der Gedanke des Alleinseins in Panik versetzt, aber dann wurde mir eine wichtige Frage gestellt, die meinen Blick auf das Alleinsein ganz entscheidend verändert hat:

„Was passiert denn im schlimmsten Fall, wenn du alleine bist?“

Und genau das ist es! Nichts wird passieren! Ich muss mich davon lösen, dass mein Glück und meine Zufriedenheit abhängt, denn es liegt nur bei mir! Ich muss mich selber glücklich machen, ich muss Dinge finden, die nicht von anderen Menschen abhängig sind, die mir auch alleine Spaß machen.

Ich bin ein Gesellschaftstier, aber ich erkenne den Sinn der Theorie, dass man erst einmal alleine mit sich selber sein muss, um sich wieder auf das zu besinnen, was wichtig ist. Ich bin genug für mich!

Ich nehme mir jetzt Zeit für mich, für mich ganz alleine. Den Facebook Konsum werde ich für einen Monat komplett einstampfen und mein Profil deaktivieren, damit mich nicht allzu viel von mir selber ablenkt. In den nächsten 4-5 Wochen werde ich intensiv für mich alleine sein, grübeln, nachdenken und zu mir selber finden. Herausfinden, wer ich überhaupt bin? Denn das letzte Mal, als ich mir darüber Gedanken gemacht habe, ist gut und gerne 12-15 Jahre her. Es wird Zeit!

 

Wie wird das nächste Weihnachtsfest?

Weihnachten ist für mich immer schon ein schwieriges Thema gewesen:

Meine Eltern trennten sich an einem Weihnachtsfest, seitdem pendelte ich zwischen Mama und Papa an Weihnachten und es artete immer in Stress aus. Keinem konnte man so richtig gerecht werden.

Seit der Geburt meiner großen Tochter haben wir Heiligabend immer bei meiner Mutter gefeiert und da mein Vater weiter weg lebt und neu geheiratet hat, bin ich auch selten zu meinem Vater gefahren. Oft haben wir uns bei meiner Oma getroffen, um alles unter einen Hut zu bekommen.

Dieses Jahr wird nun das erste Jahr sein, in dem wir als Familie nicht mehr komplett sind. Sicher werden wir weiter die Heiligabend Tradition fortführen und zu meiner Mutter, also zur Oma der Mädels fahren. Aber wie baue ich den Papa der Kids ein?

Kann man nach einer Trennung schon Weihnachten zusammen feiern oder ist es vielleicht besser, daraus einen kurzen Besuch vom Papa zu machen?

Ich bin etwas ratlos…

Puh! Wuuuusaaaa!

Eigentlich komme ich ganz gut klar in meiner neuen Lebenssituation.

Aber heute war echt ein richtiger Sch***-Tag!

Erst habe ich mein Auto rückwärts gegen eine Laterne gesetzt, vermutlich geht für die Reparatur mein komplettes Weihnachtsgeld drauf und dann hole ich die Mädels von Papa ab und die machen den ganzen restlichen Tag nur Quatsch. Die Kleine weigert sich Mittagsschlaf zu machen, steht mindestens 10x auf, statt zu schlafen, die Große missbraucht verbotener Weise das Tablet zum Kinderserien gucken, statt, wie abgesprochen, nur das eine Hörspiel beim Malen zu hören… Ich wollte doch nur einen ruhigen Sonntag verleben… Es ging weiter mit sich zankenden, lauten rumkreischenden Weibern, die ständig irgendetwas von mir wollten, ständig in einem unerträglichen Nörgelton… Puh!

Gestern Abend habe ich meinen ersten Down-Moment, in dem ich realisiert habe, dass das jetzt echt nicht einfach wird… Ich lag im Bett und habe darüber nachgedacht, wie unglücklich ich darüber bin, dass ich meinen Kindern nun keine „heile Welt“ Familie mehr vorsetzen kann. Dass ich Ihnen kein gutes Beispiel für eine solide Eltern-Beziehung bieten kann. Vor ein paar Tagen habe ich ein altes Pärchen gesehen, das Händchen-haltend an der Straße lief. Ich fand das super süß und bin wehmütig geworden. Werde ich jemals so etwas erleben? Kann ich meinen Kinder eine tolle Familie bieten? Bin ich genug? Mache ich das richtig?

Selbstzweifel kommen auf… War das alles so richtig? Habe ich mich da total verrannt?

Finanzen, Finanzen, Finanzen…

Über Jahre hinweg gehörte die Finanzbuchhaltung nicht mehr zu meinem Tagesgeschäft. Darum hat sich immer mein Ex gekümmert.

Auf einmal muss ich mich jetzt wieder einarbeiten und habe zunächst völlig den Überblick verloren. Die Excel Tabelle, mit der mein Ex gearbeitet hat, hat mich auf ganz falsche Wege geführt und so sitze ich nun, Mitte des Monats vor einem Minus. Den Dispo kann ich auch nicht mehr ausreizen, der konnte, Dank der neuen, höheren Ausgaben nicht abgelöst werden, weil wir nun nicht mehr kreditwürdig für einen höheren Kredit sind. Und jetzt?

Tja, das große Auto muss dann wohl weg, damit der große Kredit wenigstens etwas kleiner wird, aber monatlich bringt mich das nicht weiter.

Ich werde mir noch einen weiteren Monat anschauen, wie es läuft und auch mal ganz sparsam sein und dann entscheiden, ob wir uns unser Häuschen auf demmLand weiter leisten können, oder ob wir doch in eine Wohnung ziehen müssen. Das wäre die absolute Katastrophe…

Da mein Ex ja nun zum 1. ausgezogen ist, habe ich unserer Vermieterin einen Brief mit dem Sachverhalt geschrieben. Sie ist völlig außer sich gewesen und möchte nun zu einem Gespräch vorbei kommen. Sie macht sich scheinbar Sorgen, dass ich die Miete nicht begleichen kann und, dass ich alleine nicht die nötigen Gartenarbeiten schaffe.

Wir werden sehen! Keine Ahnung, wie das weiter gehen soll…